Frauenfussball Schweiz: Viel Aufbruch, wenig Bewegung

Nach der Frauen-EM 2025 in der Schweiz war man sich schnell einig: Jetzt geht es richtig los mit dem Frauenfussball.

Es wurde von Aufbruch, Nachhaltigkeit und Professionalisierung gesprochen. Kurz gesagt: sehr viel warme Luft, hervorragend beleuchtet und sauber verpackt.

Denn kaum war das Turnier vorbei, kehrte der Frauenfussball dorthin zurück, wo ihn viele Clubs offenbar am liebsten haben: in den Schatten der Männerabteilung.

Sichtbarkeit mit Verspätung

Bei den Männern gibt es Vorschauen, Interviews, Statistiken, Verletzungsupdates und vermutlich bald Livebilder aus der Garderobe.

Bei den Frauen gibt es mit etwas Glück einen Spielplan.

Mit sehr viel Glück ist er aktuell.

Resultate werden teilweise erst Tage später nachgetragen. Das nennt sich wohl nicht schlechte Kommunikation, sondern historische Aufarbeitung.

Wer wissen will, wie ein Spiel ausgegangen ist, braucht keine App. Er braucht Geduld oder jemanden, der im Stadion war.

Der Verband fördert – vor allem die Geduld

Der Schweizerische Fussballverband will den Frauenfussball professionalisieren.

Organisatorisch wirkt er dabei selbst wie ein Amateurverein.

Bei Spielen gibt es häufig genau eine Mannschaftsaufstellung. Die ist für den Schiedsrichter. Medien, Speaker und Radiostationen dürfen Namen raten oder freundlich betteln.

Mehrere Ausdrucke bereitzustellen, scheint eine Herausforderung zu sein, die den Verband seit Jahren überfordert.

Das Problem wurde mehrfach gemeldet.

Passiert ist nichts.

Vielleicht fehlt Papier. Vielleicht ein Drucker. Vielleicht schlicht das Interesse.

Die höchste Liga im Excel-Zeitalter

Auch die AXA Women’s Super League setzt digital klare Zeichen.

Der Spielplan erscheint als schlichte Excel-Liste.

Andere Ligen bieten Liveticker, Statistiken, Videos und moderne Plattformen. Die höchste Schweizer Frauenliga bietet Tabellenkalkulation.

Seit Jahren wird das kritisiert. Wer nachfragt, wird um Geduld gebeten.

Die erste Anfrage liegt rund vier Jahre zurück.

In vier Jahren kann man ein Stadion bauen. Beim Verband reicht es offenbar nicht für eine brauchbare Webseite.

Vielleicht wird noch über die optimale Spaltenbreite beraten.

Basel und das Internetproblem aus der Steinzeit

Im Leichtathletikstadion St. Jakob, wo die Frauen des FC Basel spielen, kämpft Radio Rotblau seit fünf Jahren dafür, eine bereits installierte ADSL-Anlage aktivieren zu lassen.

Fünf Jahre.

Nicht Glasfaser. Nicht Satelliteninternet. ADSL.

Die Technik ist da. Der Bedarf ist bekannt. Nur zuständig ist niemand.

Stattdessen wird der Ball zwischen dem FC Basel und dem Sportamt Basel-Stadt hin und her gespielt.

Eine perfekte Passstafette: viel Bewegung, kein Abschluss.

Würde eine Mannschaft fünf Jahre so spielen, wäre der Trainer längst weg. In der Verwaltung gilt das offenbar als Taktik.

Fazit

Die Spielerinnen sind bereit. Das Publikum ist bereit. Die Medien sind bereit.

Nur die Verantwortlichen bitten weiter um Geduld. Seit Jahren.

Bis dahin bleibt die grosse Schweizer Frauenfussball-Offensive vor allem eines: sehr viel warme Luft.

Aber keine Sorge: Der grosse Aufbruch kommt bestimmt. Irgendwann … vielleicht … eventuell.

 

Text: Gerry Engel